|
Bairisches Leben
Bayern, das bedeutet vertraute Heimat, bodenständiges Brauchtum und überlieferte Kultur. Wir Bayern bekennen uns zu unseren Traditionen und zur herzlichen Verbundenheit mit unserer Heimat und Geschichte.
Richtig empfundene Heimatverbundenheit lässt sich nicht von oben verordnen, sondern lebt vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Gerade Vereine wie unser Maibaum-Verein, die versuchen, das alte Brauchtum wieder zu beleben und behutsam weiterzuentwickeln, tun viel für die Erhaltung unserer bairischen Volkskultur. Dabei ist der Verein lt. Satzung für jeden offen, egal welcher Rasse und Religion er angehört – dies ist ein Beispiel für die bairische Maxime „leben und leben lassen“, die wahre „liberalitas bavariae“. Als Beispiel sei hier Ali Assal, der Vater unseres Vereinsmitglieds Stadtrat Dr. Josef Assal, dessen Wiege am Nil stand, genannt.
Informationen über verschiedene bairische Bräuche erhalten Sie auf den entsprechenden Seiten (z.B. über den
Maibaum, das
Patenbitten und zum
Sänger- und Musikantentreffen (Hoagartn); auch die
Bayernhymne darf natürlich nicht fehlen.
Brauchtum
Volkskundliche Überlegungen zum Brauchtum heute von Univ-Prof. Dr. Walter Hartinger
In einer umfassenden Definition von einem Altmeister der Volkskunde, Josef Dünninger, heißt es: „Brauchtum ist gemeinschaftliches Handeln, durch Tradition bewahrt, von der Sitte gefordert, in Formen geprägt, mit Formen gesteigert, ein Inneres sinnbildlich ausdrückend, funktionell an Zeit oder Situation gebunden."
Weitere Links:
Brauchtumsjahr.de (die Seite befindet
sich noch im Aufbau - ist aber schon recht interessant)
Bairische Sprache
Woher kommt der bairische Dialekt?
Am 8. Tag erschuf Gott die Dialekte. Alle Völkchen waren glücklich. Der Berliner sagte: Ick habe nen knorke Dialekt, wa?, der Hanseate sagte: Ik snak platt, und dat is goad!, der Kölner sagte: üwwa minge Dialekt kütt nix!.
Nur für den Bayern war kein Dialekt mehr übrig und er war sehr traurig...
Da hatte der liebe Gott ein Einsehen und sagte: "Ja mei, Bua, dann red hoid so wia i"!
Mei,is Boarisch schee...
Die Mitarbeiter am Meinungsforschungsinstitut Allensbach am Bodensee haben
in einer hochoffiziellen Umfrage Anfang 2008 folgendes ermittelt: Das
Bairische ist der beliebteste Dialekt Deutschlands. Nicht etwa
deshalb, weil ihn die meisten sprechen, sondern weil er von den meisten
Menschen jenseits der Freistaatsgrenzen am liebsten gehört wird!
35 Prozent der Deutschen haben die weiß-blaue Mundart folglich gern im
Ohr. Platz zwei nimmt mit 29 Prozent das norddeutsche Platt ein, dahinter
kommt das Berlinerische mit 22 Prozent und das Schwäbische mit 20 Prozent.
Der Dialekt, den die Deutschen am wenigsten hören möchten, ist übrigens
Sächsisch (54 Prozent).
Roman Herzog sagte:
„Die Verarmung und Verschandelung des Hochdeutschen und unserer Umgangssprache nehmen erschreckend zu. Das Sterben unserer Mundarten hat ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Es gibt aber keine bairische, österreichische, südtirolerische oder Schweizer Identität ohne unsere Sprache mit ihrem Reichtum an Dialekten. Nur wer weiß, wo er selbst herkommt, kann sich selbstbewusst und kritisch dem anderen öffnen. Jeder interkulturelle Dialog wird zum Geschwätz, wenn kein Selbstbewusstsein von der eigenen Kultur vorhanden ist.“
Georg Lohmeier ist der Meinung:
„Was zum Beispiel würden unsere Lustspieldichter ohne die bairische Mundart anstellen? Mit dem erhabenen Schriftdeutsch kann man zwar schöne Novellen, geistvolle Romane und große Tragödien schreiben, aber nur schwer eine Komödie. Das ist auch ein Grund, warum es in der deutschen Literatur so wenig Lustspiele gibt, dafür um so mehr Tragödien."
Der Regensburger Sprachprofessor Dr. Ludwig Zehetner schreibt:
„Die Schrift- oder Standardsprache ist eher gedanklich abstrakt; ab und zu sogar unanschaulich, dagegen lebt die Mundart von der Nähe zu den Dingen des Alltags. Die bairische Sprache mit ihren regionalen Dialekten ist eine über 1200 Jahre alte, gewachsene Kultursprache. Deshalb ist es dringend notwendig, ihren Wert zu erkennen und als Kleinod der Bayern zu erhalten. Sie darf im Kindergarten und in der Schule beim Lernen der Schriftsprache nicht total verdrängt und verteufelt werden".
Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte rät:
„Redts boarisch und schreibts schriftdeutsch" - aber, das „süddeutsch geprägte Schriftdeutsch", also Samstag statt Sonnabend, Semmel statt Brötchen oder spassig statt irre. Denn der Dialekt (Muttersprache) ist kein Defizit, sondern ein Privileg.
Weitere Informationen beim
Förderverein bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD)

Bier
Das Produkt Bier hat in Bayern von jeher einen außergewöhnlich hohen Stellenwert. Es ist nicht nur das sprichwörtlich "flüssige Brot", sondern auch das gesellschaftliche Bindemittel bairischer Kultur.
Bier - siehe auch hier
Bierbauch - Einen solchen Bauch bekommt man meist nicht vom Bier, sondern von dem, was man dazu isst. In Bayern sagt man auch, dass ein Mannsbild ohne Bauch ein Krüppel sei. Hierzu der Volksmund: "Liaba an Bauch vom Saufa als an Buckl von da Arbat!"
Bierdeckel - Echte Bierkrüge haben einen Deckel gegen herabfallende Insekten im kastanienbeschatteten Biergarten. Manche bezeichnen auch den Bierfilz als Bierdeckel, verwenden denselben auch so, indem sie ihn auf das offene Bierglas legen und so das kostbare Nass vor Wespen schützen
Bierfilz oder Bierfuizl - Untersetzer für Bierkrüge und Gläser, ursprünglich aus Filz, heute meist aus Pappe, bedruckt und ein beliebtes Sammelobjekt.
Biergarten
-
Charakteristisch für einen
traditionellen Biergarten ist das Recht des Gastes, selbstmitgebrachte
Speisen verzehren zu dürfen. Weiterhin sind Bäume und Holzbestuhlung
Kennzeichen eines Biergartens, natürlich auch der Ausschank von Bier in
Maßkrügen. Idealerweise gehören auch Kiesfläche, Biergarnitur und deftiges
Essen dazu. Als Unding werden jedoch Plastikstapelstühle, Schirme statt
Bäume und Pflaster statt Kies angesehen.
Ähnlich sieht es auch die Bayerische
Biergartenverordnung (neue Fassung von 1999), welche nach der “Biergarten
Revolution” von 1995 die Richtlinien nochmals klarstellt - auch zum Erhalt
der Bayerischen Biergartenkultur.
(Auszug):
“Kennzeichnend für den
bayerischen Biergarten im Sinne der Verordnung sind vor allem zwei
Merkmale: der Gartencharakter und die traditionelle Betriebsform, speziell
die Möglichkeit, dort auch die mitgebrachte, eigene Brotzeit unentgeltlich
verzehren zu können, was ihn von sonstigen Außengaststätten
unterscheidet.“
Bierprobe - Angeblich soll eine Bierprobe folgendermaßen abgelaufen sein: Der Bürgermeister und zwei Ratsherren erschienen beim Bräu, verlangten eine Maß, schütteten diese auf eine Holzbank und setzten sich mit ihren Krachledernen darauf. So blieben sie eine Stunde sitzen, wenn sie sich dann erhoben und die Bank klebte an Ihrem Allerwertesten, dann war das Bier gut.
Bleifrei - werden im Volksmund alkoholfreie Biere bezeichnet.
Cerevisia (für lateinisch Bier) - Cerevisiam bibunt homines, animalia cetera fontes - Menschen trinken Bier, die anderen Tiere Wasser - Bairisch: Nur d´Viecher trink´n Wasser.
Maß
- Der Bayer trinkt eine
Maß mit "ß". Alle anderen, teils abenteuerlichen, Schreibweisen von "Mass"
über "Maaß" bis "Maas" sind schlicht und ergreifend falsch. Ausgesprochen
wird die Maß so, dass sie sich auf "Fass" reimt, also mit einem kurzen "a"
in der Mitte und sie ist immer weiblich.
Prost - Es heißt zwar "Ein Prosit der Gemütlichkeit"
bei dem beliebten Trinklied, "Oans, zwoa, drei, gsuffa!". Beim Anstoßen
selbst heißt es dann aber "Prost!" und nicht "Prosit!".
Reinheitsgebot (Bayerisches Reinheitsgebot von 1516) - nennen wir diejenige Verordnung, die die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. 1516 erließen. Dort wurde geregelt, dass zum Bierbrauen nur Malz, Hopfen und Wasser genommen werden dürfen, also ausschließlich natürliche Zutaten. Zum Bierbrauen wird zusätzlich Hefe benötigt, um aus den o. g. Zutaten ein Bier brauen zu können. Dies war auch im Mittelalter schon bekannt. Es entspricht deshalb der einhelligen Meinung, dass für die Bierherstellung neben den drei ausdrücklich genannten Zutaten auch Hefe verwendet wurde. Das Reinheitsgebot ist das älteste Lebensmittelgesetz und galt zunächst nur in Bayern (deshalb auch Bayerisches Reinheitsgebot). Erst 1918 erkannte man auch im Preußischen Berlin den Wert dieser Vorschrift und die Reichsregierung dehnte den Geltungsbereich auf das gesamte Deutsche Reich aus.
Stammwürze - bezeichnet den Malzextrakt der Würze vor der Vergärung (in %). Aus dem Stammwürzegehalt berechnet sich der ungefähre Alkoholgehalt des Bieres. Ein normales Vollbier hat 11 bis 14% Stammwürze. Die Stammwürze kann auch in °Plato ausgedrückt werden.
Starkbierzeit - ist die fünfte Jahreszeit in Bayern und beginnt wie immer nach dem Ende des Faschings in der "mageren" Fastenzeit und dauert rund vier Wochen. Die offizielle Eröffnung mit viel Prominenz findet mit dem Anstich in der Gaststätte "Paulaner Wirtshaus am Nockherberg" statt (Politiker-Derblecken), wo der bekannte SALVATOR ausgeschenkt wird. Mit diesem ältesten bayerischen Starkbier begann im 17. Jahrhundert die Ära des Starkbieres in und um München.
Ursprünglich blieb der Salvator, das Hausbier der Paulaner Mönche, Personen, die nicht zum Kloster gehörten, vorenthalten. Das Bier wurde damals nur am Namenstag des Ordengründers Franz von Paula am 02.04. ausgeschenkt. Erst durch die Ausschankgenehmigung von Kurfürst Karl Theodor 1780 war es den Mönchen erlaubt, das Starkbier an die Bevölkerung weiterzugeben. Bis 1860 wurde das Bier noch jährlich im Neudecker Garten nahe dem Kloster ausgeschenkt. Doch der Jahr für Jahr zunehmende Andrang gab den Anlass, den Salvatorkeller zu bauen, in welchem auch heute noch der Starkbieranstich vollzogen wird. Anlässlich der großen Beliebtheit des Starkbieres stellten im 19. Jahrhundert auch andere Brauereien Starkbiere her und verkauften sie ebenfalls unter dem Namen Salvator. Erst mit der Eintragung des Wortes Salvator beim kaiserlichen Patentamt war der Name geschützt, und so waren die Brauer gezwungen, ihre Biere unter anderem Namen zu führen. So entwickelten sie zahlreiche Phantasienamen mit der Endung -ATOR, welche heute als Erkennungsmerkmal der Starkbiere dient. Um einige dieser Marken zu nennen:
Löwenbräu hat den TRIUMPHATOR, Augustiner den MAXIMATOR, die Hofbräu-Brauerei den DELICATOR und Spaten den OPTIMATOR. Daneben gibt es viele weitere Starkbierspezialitäten anderer Brauereien.
Übrigens muss ein Starkbier mindestens 16% Stammwürze aufweisen. In Bayern nennt man Starkbier auch Bockbier. Hat es mehr als 18% Stammwürze, wird es Doppelbock genannt.
Wasser - ist entscheidend für die Güte und Qualität des Biers. Das ideale Brauwasser hat 6-8 Grad deutscher Härte (dH). Bei Thales von Milet ist das Wasser der Ursprung aller Dinge. Aqua viva strömt im himmlischen Jerusalem als Lebenswasser und es heißt, nur wer aus Wasser und Geist geboren wird, kann eintreten in die Ewigkeit. ( Joh 3,5).
Brezn
Zum Bier gibt es dann auch gerne mal eine Brezn. Und weil
eine ordentliche Brezn mit Bier im Notfall auch mal eine Mahlzeit ersetzen
kann, sollte man auch von der Verniedlichung "Brezl" absehen. Auch hier
findet man keinen Apostroph, also bitte nicht "Brez'n" oder "Brez'l"
schreiben. Die Aussprache ist für Nicht-Bayern eventuell schwierig, denn
das "r" gehört schön weich gerollt und das "e" wird eher lang
gesprochen.

Edelweiß
gehört zu den Korbblütlern und wächst vornehmlich in den Alpen. Der Name ist eine südtiroler Volksbezeichnung (Tirol gehörte einmal zu Bayern!). Heute streng geschützt. Das Edelweiß ist die inoffizielle Wappenblume Bayerns.
Freinacht
Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird auch als Freinacht bezeichnet. In dieser Nacht ziehen vielerorts Jugendliche durch die Straßen und stellen allerlei Streiche an. Beliebt ist vor allem das Einwickeln von Autos oder anderen Dingen mit Toilettenpapier, das Besprühen von Türklinken mit Rasierschaum oder das Verändern von Ortsschildern. Aber auch vor Vandalismus muss gewarnt werden.
Über die Ursprünge dieses Brauches gibt es unterschiedliche Vermutungen. Da es in Oberbayern nicht schicklich war, an Feiertagen, an denen ja nicht gearbeitet wurde, Arbeitsgeräte herumstehen zu lassen, wurden diese von der Dorfjugend in der Nacht „aufgeräumt“. Die jungen Leute hängten beispielsweise offene Tore aus und versteckten sie oder hievten umherstehende Heuwagen auf die Scheunendächer. Ein weiterer Grund für diese Bräuche in der Freinacht war der Einzug der Jugendlichen zum Militär. Früher war der erste Mai der Musterungstermin für den Wehrdienst. Die Nacht des 30. April war somit die letzte Gelegenheit für die jungen Männer zu ausgelassenen Streichen bevor in den Kasernen der Ernst des Lebens begann.
Freistaat Bayern
Der Freistaat Bayern ist ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Freistaat ist im Grunde nur ein anderes Wort für Republik. Die Bezeichnung "Freistaat" im Namen Bayerns sagt nichts aus über föderale Rechte und Pflichten.
Der erste bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner, ein Sozialist, gab dem neuen Staatsgebilde diesen Namen, weil die Revolutionäre von 1918 so zum Ausdruck bringen wollten, dass Bayern ein freier Staat war: frei von Kirche, König und Bourgeoisie. Heute tragen auch Sachsen und Thüringen die Bezeichnung Freistaat.
Hoagartn
siehe hier
Krachlederne
Häufigstes Vorkommen: Bayern. Wilddiebe bevorzugten hirschlederne Beinkleider. Denn Hirschleder ist das feinste und strapazierfähigste Material. Der Wilddieb tratzte (ärgerte) die königlich-bayerischen Forstaufseher, indem er das Leder seiner Jagdzüge öffentlich trug.
Maibaum
siehe hier
Nudelwoigler
(Nudelholz)
Traditionelles bayerisches Schlagwerkzeug, um blaue (bsuffane) Ehemänner gebührend zu empfangen.
Oktoberfest (Wiesn)
Zu allererst einmal geht der Münchner auf die "Wiesn",
nicht auf die "Wiese" und auch nicht auf die "Wiesen". Auch ein Apostroph
("Wies'n") hat da nichts verloren. Es handelt sich dabei um den bairischen
Singular. Offiziell heißt das Gelände übrigens "Theresienwiese", benannt
nach Therese von Sachsen-Hildburghausen, anlässlich derer Hochzeit mit
Kronprinz Ludwig 1810 an dieser Stelle ein Pferderennen abgehalten wurde.
Hier irrt sogar mal das allwissende Google, bei dem das Gelände als
"Theresienwiesen" in den Landkarten zu finden ist.

Patenbitten
siehe hier
Schreibweise
Die Schreibweisen mit y gehen auf den philhellenischen (= Griechenfreund) bayerischen König Ludwig I. (Bayern) zurück. In der Sprachwissenschaft wird streng unterschieden zwischen bairischer Sprache/Bevölkerung, welche mit i geschrieben werden, und dem bayerischen Territorium, das mit y
geschrieben wird. Also: "Bayerisch" bezeichnet man etwas das in
Bayern ist oder aus Bayern kommt. "Bairisch" ist die Sprache.
Silvesterbräuche
Der Jahreswechsel wird in Bayern, wie überall im deutschsprachigen Raum, schon seit Jahrhunderten gefeiert. Die Bezeichnung für den Altjahrsabend, wie man früher sagte, als „Silvesterabend“ geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals wurde der letzte Tag des Jahres vom 25. Dezember auf den 31. Dezember verlegt, den Todestag des Papstes Silvester I. Der Liturgische Kalender führt diesen Tag auch als seinen Namenstag; bis dahin feierte man an diesem Tag die jüdische Beschneidung Jesu. Die Bezeichnung Altjahrsabend hielt sich aber in den Dialekten noch lange.
Jahresschluss-Gottesdienste gehören heute ebenso zum Silvesterabend wie Böllerkrachen und Feuerwerke, Orakel wie Bleigießen oder Glückskekse und natürlich Sekt zum Anstoßen oder ein Silvesterpunsch. Von den alten bayerischen Orakel-Bräuchen wie Pantoffelwerfen, Zaunsteckenzählen oder Schifferspiel ist eigentlich nur noch das Bleigießen übrige geblieben. Ein Silvesterbrauch im alten München war neben dem Böllerschießen, durch das die bösen Geister vertrieben werden sollten, das Neujahrsansingen. Vor allem in den Vorstädten kamen die Buben auf Steckenpferden vermummt und angemalt angeritten und wünschten das Neujahr an, um nach dem Absingen von allerlei Liedern und Verslein Würste, Fleisch oder süßes Gebäck einzuheimsen. In der Au waren sie beispielsweise als Hexen verkleidet, schließlich waren ja auch die Rauhnächte nicht weit. Und die Spender wollten sich mit ihren Geschenken einen guten Ausgang des Jahres sichern. An diesen Brauch erinnern eigentlich nur noch die Trinkgelder, die man üblicherweise heute an Postboten, Zeitungsausträger oder Müllmänner verteilt. Auch kulinarisch war der Silvestertag in Alt-München von der Glückssymbolik bestimmt. Wenn der traditionelle Karpfen auf den Tisch kam, suchte jeder eine große Schuppe davon zu ergattern, die das ganze Jahr über im Geldbeutel aufbewahrt wurde, damit das „Fünferl“ nicht ausging. Doch auch andere Fischgerichte kamen an Silvester zu Ehren, auch wenn's „nur“ ein einfacher Heringssalat war, denn „Fischessen bringt Glück“. Silvester war ja einst ein „Fasttag“ und der wurde durch ein gutes Fischgericht zum „Festtag“, wie es uns die Mönche vorgemacht hatten.Am Neujahrsmorgen kamen in Altbayern vielerorts die Nachbars- oder Patenkinder zum „Neujahrsansagen“, zum Gratulieren also, mit Sprüchen wie: „Prosit Neujohr / A Brezn wia a groß Tor / an Lebzelt wia a Ofenplatt / Macht uns mitananda satt!“. Natürlich gab's dann süße Brezen, Schmalznüsse, Lebkuchen und dergleichen oder kleine Geldgeschenke als Belohnung. Besonders im Niederbayerischen wurde darauf geachtet, dass am Neujahrstag alles glatt verlief: Man achtete darauf, dass gut gegessen und getrunken wurde, alle Rechnungen bezahlt waren, nichts ausgeliehen, nichts verkehrt gemacht wurde. Man ist früh aufgestanden, hat nichts anbrennen lassen und aufgepasst, dass einem keine schwarze Katze über den Weg lief. Das Feuer im Herd durfte nicht ausgehen und der Geldbeutel nicht leer sein. Dies alles brachte Glück und Segen in den kommenden Monaten.
Am Dreikönigstag, dem 6. Januar, wird auch heute noch in einigen Gegenden Bayerns das Haus ausgeräuchert: man legt Weihrauchkörner auf eine Kohlenschaufel und trägt sie durch das Haus und die Viehställe; dazu wird Dreikönigswasser gesprengt und der Hausherr bezeichnet mit geweihter Kreide Haus- und Stalltüren mit den Buchstaben C + M + B sowie der neuen Jahreszahl. Das bedeutet im Volksglauben Caspar + Melchior + Balthasar hat aber eigentlich die Auslegung „Christus mansionem benedicat“, was soviel heißt wie: „Christus segne dieses Haus“.
Die als die Heiligen Drei Könige verkleideten Sternsinger, Kinder, die früher von Haus zu Haus zogen, fromme Lieder sangen und kleine Geschenke entgegennahmen, haben heute eine andere Funktion. Die Kinder und Jugendlichen, die am Dreikönigstag an unseren Haustüren singen, unser Haus ausräuchern und die Türen mit den magischen Zeichen versehen, sammeln nicht für sich, sondern für einen guten Zweck, für bedürftige Kinder dieser Erde.
(Quelle: Aubing-Neuaubinger Zeitung Freitag, 30. Dezember 2005)

Tracht
Kleider machen Leute, Trachten machen Menschen (Paul Ernst Rattelmüller, 1984) Die Trachten wie wir Sie heute kennen, waren Standeskleidungen vergangener Jahrhunderte. Die Kleidung der ländlichen Bevölkerung war überwiegend die des Bauernstandes, da nur in den Städten sich die verschiedenen Stände gegenüberstanden. Da der überwiegende Teil der Bevölkerung aus dem Bauernstand kam, sind die meisten Trachten auch aus diesem überliefert. Als Ende des 19. Jahrhundert die traditionelle Kleidung zu Verschwinden drohte, wurde in Bayrischzell von Lehrer Josef Vogl mit seinen Mitstreitern der erste Trachtenverein gegründet. Heute werden z.B. von den 68 Trachtenvereinen im Isargau Gebirgstrachten sowie Volkstrachten gepflegt.
Die meisten Vereine im Isargau tragen eine so genannte Gebirgstracht, die, wie der Name sagt, aus den bayerischen Alpen in den Raum München gebracht worden ist. Von den Gebirgstrachten ist die verbreitetste und auch bekannteste die "Miesbacher Tracht". Darüber hinaus haben sich verschiedene Vereine zur Aufgabe gemacht, auch die Werdenfelser, die Isarwinkler, die Inntaler, die Berchtesgadener und die Chiemgauer Tracht möglichst originalgetreu zu erhalten.
Im Unterschied dazu sind die Volkstrachten bodenständige Trachten, die in den entsprechenden Gegenden getragen werden. Verschiedene Trachtenvereine des Isargau gehen immer mehr dazu über, nachzuforschen wie die bodenständige Tracht in ihrer Heimat ausgesehen hat. Bei den Volkstrachten unterscheidet man derzeit die Dachauer, die Dorfener, die erneuerte Tracht München Ost, die Egerländer, die Hinterskirchner, die Ismaninger, die Landshuter, die Markt Schwabener und die Wartenberger Volkstracht. Bei den Volkstrachten wiederum dürfte wohl die Dachauer Tracht den größten Bekanntheitsgrad besitzen.
Zur Unterstützung der Trachtenerhaltung wird jährlich am Wochenende nach Christi Himmelfahrt ein Trachtenmarkt im Bauernhausmuseum in Erding veranstaltet.
Tradition
Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Tradition ist in dieser Hinsicht das kulturelle Erbe, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliches Wissen und handwerkliche Kunst gehören ebenso dazu, wie Rituale, moralische Regeln und Speiseregeln.
Neben diesen hochkulturellen Inhalten werden zuweilen auch nur temporär gültige Üblichkeiten als Tradition bezeichnet. In diesem Sinne wird der Ausdruck traditionell gebraucht; es ist das Übliche und Gewohnte. Der eher bildungssprachliche Ausdruck traditional wird dagegen auf die hochkulturellen Inhalte bezogen.
Der Gebrauch des Wortes ist allerdings nicht einheitlich. Unter Tradition versteht man unter anderem:
- das Überlieferte, die Überlieferung selbst (traditum)
- das Überliefern, die Weitergabe (tradendum)
- Gepflogenheiten, Konventionen, Brauchtum
Literaturhinweis
Von Thomas Morus (1477/78-1535) stammt die Aussage: "Tradition ist nicht das Halten der Asche sondern das Weitergeben der Flamme."
Gustav Mahler sagte: “Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“
Jean Jaurès
(1859-1914) franz. Philosoph und Politiker sagte: “Tradition pflegen heißt
nicht, Asche aufbewahren, sondern Glut am Glühen halten.”

Wappen des Freistaates Bayern
Das große und kleine bayerische Staatswappen gehen auf das Gesetz vom 5.Juni 1950 zurück. Die weiß-blauen Rauten des Herzschildes des großen Wappens - ursprünglich Heroldszeichen der Grafen von Bogen und im 13.Jahrhundert von den Wittelsbachern übernommen - repräsentieren den bayerischen Gesamtstaat. Von den heraldischen Symbolen der vier Felder steht der goldene Löwe auf schwarzem Grund für die Oberpfalz; der silberne Rechen auf rotem Grund für Franken. Der blaue Panther auf silbernem Grund versinnbildlicht Ober- und Niederbayern; die drei staufischen Löwen auf goldenem Grund das bayerische Schwaben.
Weiß Ferdl
(1883-1949)
Der berühmte Volkssänger trat zur Zeit der Weimarer Republik in Münchener Bierhallen auf und verstand es, seinen Landsleuten aus der Seele zu singen und mit mal humorigen, mal politisch ernsten Gstanzln und Stückln das bayerische Gemüt in Wallung zu bringen. Unvergesslich ist
z.B. das Couplet "Ein Wagen von der Linie 8".
Weißwurschtäquator
Er bezeichnet die nördliche bayerische Landesgrenze und lässt glauben, dass bayerische Spezialitäten nicht über diese Landesgrenze hinauskommen. Das ist aber weit gefehlt! Sowohl Weißwürste wie auch bayerisches Bier sind längst ein echter Exportschlager!
Zachäus
(Zacherl) = Kirchweihfahne
Die Kirchweihfahne, der weithin sichtbare "Zachäus", ist nicht einfach nur ein brauchtümliches Dekorationsstück. Es entstand im Grund aus einem rechtlichem Zusammenhang. Zur Kirchweih wurden Märkte abgehalten und hier kam viel Volk (Einheimische und Auswärtige) zusammen, die nicht immer friedlich miteinander umgingen. Der "Zachäus" ist eine umgedeutete Marktfahne, die früher als Zeichen der Markthoheit und als weithin sichtbare Warnung diente, dass der Landfrieden unbedingt einzuhalten sei und bei Zuwiderhandlungen harte Strafen zu erwarten waren. Schon im Bayerischen Landrecht von 1553 heißt es: "Wir (ver)ordnen und wöllen, daß vüran bei allen Versammlungen des Volks mit ganzem Ernst Fried zu halten geboten (ist), auch des zu einem Anzeigen von Stund an ein Fähnlein öffentlich aufgesteckt werden, dabei ein jeder den Fried erkennen und sich deshalb der Unwissenheit nit entschuldigen möge."

|
Home |
Verein
|
Vorstand
|
Chronik
|
Satzung
|
Termine
|
Fotos
|
Statistiken
|
Mitglieder
|
Brauchtum
|
Heimat |Maibaum
|
Fahne
|
Hoagartn
|
Patenbitten |
Bayernhymne | |